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3. Epilog des Narren (aus Was ihr
wollt) |
The fool’s epilogue (from Twelfth Night, 5.1) |
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Und als ich ein winziges Bübchen war,
Hopheisa bei Regen und Wind,
Da machten zwei nur eben ein Paar,
Denn der Regen, der regnet jeglichen Tag. |
When
that I was and a little tiny boy,
With hey, ho, the wind and the rain,
A
foolish thing was but a toy,
For the rain it raineth everyday.
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Und als ich vertreten die Kinderschuh,
Hopheisa bei Regen und Wind,
Da schloss man vor Dieben die Häuser zu,
Denn
der Regen, der regnet jeglichen Tag. |
But
when I came to man’s estate,
With hey, ho, the wind and the rain,
’Gainst
knaves and thieves men shut their gate,
For the rain it raineth everyday.
|
|
Und
als ich, ach, ein Weib tät frei’n,
Hopheisa bei Regen und Wind,
Da wollte mir Müßiggang nicht gedeihn,
Denn der Regen, der regnet jeglichen Tag. |
But when I came, alas, to wive,
With hey, ho, the wind and the rain,
By swaggering could I never thrive,
For the rain it raineth everyday.
|
|
Und als der Wein mir steckt im Kopf,
Hopheisa bei Regen und Wind,
Da war ich ein armer betrunkner Tropf,
Denn der Regen, der regnet jeglichen Tag. |
But when I came unto my beds,
With hey, ho, the wind and the rain,
With tosspots still had drunken heads,
For the rain it raineth everyday.
|
Die Welt steht schon eine hübsche Weil, Hopheisa bei Regen und Wind, Doch das Stück ist nun aus, und ich wünsch euch viel Heil, Und daß es euch künftig so gefallen mag! |
A great while ago the world begun,
With hey, ho, the wind and the rain,
But that’s all one, our play is done,
And we’ll strive to please you every day. |
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4. Lied von der Weide (aus Othello) |
Willow song (from Othello, 4.3) |
Arm Mädchen singend am Sahlbaum saß
sie,
Singt alle grüne Weide,
Die Hand auf dem Busen, das Haupt auf dem Knie,
Singt Weide, Weide, Weide.
Die Welle rann weiter und raunt ihr Gewein,
Singt Weide, Weide, Weide.
Die Träne troff bitter, erweichte die Stein,
Singt Weide, Weide, Weide.
Singt all grüne Weide, die brauch ich zum Kranz,
Soll niemand ihn schelten, sein Groll ist mir recht.
Ich nannte mein Lieb falsch’ Lieb, was sagte er dann?
Singt Weide, Weide, Weide.
Ich krieg noch viel Mädel, du küßt noch viel Mann, Weide. |
The
poor soul sat sighing by a sycamore tree,
Sing
all a green willow;
Her
hand on her bosom, her head on her knee,
Sing
willow, willow, willow.
The
fresh streams ran by her and murmured her moans;
Sing
willow, willow, willow;
Her
salt tears fell from her, and softened the stones;
Sing
willow, willow, willow.
Sing
all a green willow must be my garland.
Let
nobody blame him; his scorn I approve.
I
called my love false love; but what said he then?
Sing
willow, willow, willow;
If
I court more women, you’ll couch with more men. |
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5. Morgendlied (aus Cymbeline) |
Morning song (from Cymbeline, 2.3) |
Horch! Lerch’ am Himmelstor singt hell,
Und Phöbus steigt herauf,
Sein Roßgespann trinkt süßen Quell
Von Blumenkelchen auf;
Die Ringelblum’ erwacht vom Traum,
Tut güldne Augen auf;
Lacht jede Blüt im grünen Raum,
Drum holdes Kind, steh auf:
Steh auf, steh auf, steh auf! |
Hark,
hark, the lark at heaven’s gate sings,
And
Phoebus ’gins arise,
His
steeds to water at those springs
On
chaliced flowers that lies;
And
winking marybuds begin
To
ope their golden eyes.
With
everything that pretty is,
My
lady sweet, arise,
Arise, arise! |
6. Bleibt, o bleibt ihr Lippen ferne
(aus Maß für Maß) |
Take, O, take those lips away
(from Measure for Measure, 4.1) |
Bleibt, o bleibt ihr Lippen
ferne,
Die so lieblich falsch geschworen,
Und ihr Augen, Morgensterne,
Die mir keinen Tag geboren!
Doch den Kuß gib mir zurück,
Gib zurück,
Falsches Siegel falschem Glück,
Falschem Glück! |
Take,
O, take those lips away,
That
so sweetly were forsworn,
And
those eyes, the break of day,
Lights
that do mislead the morn;
But
my kisses bring again, bring again,
Seals
of love, but sealed in vain, sealed in vain. |
|
Birg, o birg der Hügel
Schnee,
Die dein eisger Busen trägt,
Knospen, die ich blühn dort
seh,
Sind wie vom April gehegt.
Doch mein Herz mir wieder bring,
Wieder bring,
Das du zwangst mit eisgem Ring,
Eisgem Ring. |
[The
second stanza does not appear in the various editions of the
play that we have consulted. Please write
to us if you can provide the original English text for
this stanza.]
|
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7. Frühling (aus Liebes Leid und
Lust) |
Spring (from Love’s Labor’s Lost, 5.2) |
Wenn Primeln gelb und Veilchen blau Und Maßlieb silberweiß im Grün Und Kuckucksblumen rings die Au Mit buntem Frühlingsflor
umblühn, Des Kuckucks Ruf im Baum erklingt Und foppt den Ehmann, wenn er
singt: Kuku, Kuku, Kuku, der Mann
ergrimmt, Wenn er das schnöde Wort
vernimmt. |
When
daisies pied and violets blue,
And
lady-smocks all silver-white,
And
cuckoo-buds of yellow hue
Do
paint the meadows with delight,
The
cuckoo then, on every tree,
Mocks
married men; for thus sings he: Cuckoo!
Cuckoo,
cuckoo! O word of fear,
Unpleasing
to a married ear! |
|
Wenn Lerche früh den Pflüger weckt,
Am Bach der Schäfer flötend
schleicht,
Wenn Dohl’ und Kräh’ und Täubchen
heckt,
Ihr Sommerhemd das Mädchen
bleicht;
Des Kuckucks Ruf im Baum erklingt
Und foppt den
Ehmann, wenn er singt:
Kuku, Kuku, Kuku, der Mann
ergrimmt,
Wenn er das schnöde Wort
vernimmt. |
When
shepherds pipe on oaten straws,
And
merry larks are plowmen’s clocks,
When
turtles tread, and rooks and daws,
And
maidens bleach their summer smocks,
The
cuckoo then on every tree,
Mocks
married men; for thus sings he: Cuckoo!
Cuckoo,
cuckoo! O word of fear,
Unpleasing
to a married ear! |
|
8. Winter (aus Liebes Leid und
Lust) |
Winter (from Love’s Labor’s Lost, 5.2) |
|
Wenn Eis in Zapfen hängt am
Dach,
Und
Thoms, der Hirt, vor Frost erstarrt,
Wenn Hans die Klötze trägt ins
Fach,
Die Milch gefriert im Zuber hart,
Die Spur verweht, der Weg
verschneit,
Dann nächtig friert der Kauz und
schreit:
Tuhu, Tiwit tuhu, ein lustiges Lied,
Derweil die Hanne Würzbier glüht. |
When
icicles hang by the wall,
And
Dick the shepherd blows his nail,
And
Tom bears logs into the hall,
And
milk comes frozen home in pail,
When
blood is nipped, and ways be foul,
Then
nightly sings the staring owl:
Tu-whit,
tu-whoo! A merry note,
While
greasy Joan doth keel the pot.
|
Wenn Sturm dem Giebelfenster
droht, Im Schnee das Vöglein emsig pickt, Wenn Lisbeths Nase spröd’ und rot, Gehust des Pfarrers Wort erstickt, Bratapfel zischt in Schalen weit, Dann nächtig friert der Kauz und schreit: Tuhu, Tiwit tuhu, ein lustiges Lied, Derweil die Hanne Würzbier glüht. |
When
all aloud the wind doth blow,
And
coughing drowns the parson’s saw,
And
birds sit brooding in the snow,
And
Marian’s nose looks red and raw,
When
roasted crabs hiss in the bowl,
Then
nightly sings the staring owl:
Tu-whit,
tu-whoo! A merry note,
While
greasy Joan doth keel the pot. |
|
9. Lied des Totengräber (aus Hamlet) |
Gravedigger’s Song (from Hamlet, 5.1) |
In der Jugend war ich
verliebt, verliebt, Das dünkte mich so süß, Und was ich auch sonst für Kurzweil trieb, behagte mir nichts, wie dies. |
In
youth, when I did love, did love,
Methought
it was very sweet,
To
contract the time for my behove,
O,
methought there was nothing meet.
|
Doch Alter mit seinem schleichenden Tritt Hat mich gepackt mit der Faust, Und hat mich ins andre Land verschifft, Als hätt’ ich hier nimmer gehaust. |
But
age with his stealing steps
Hath
clawed me in his clutch,
And
hath shipped me into the land,
As
if I had never been such.
|
Ein Grabscheit und ein Spaten wohl, Dazu aus Lein ein Kleid, O, eine Grube im Lehm so hohl, Ist solchem Gast bereit. |
A
pickax and a spade, a spade,
For
and a shrouding sheet;
O,
a pit of clay for to be made
For
such a guest is meet. |
(English
translations of remaining song texts are being prepared.)
Sechs Gesänge nach Texten von Claudius,
Hölderlin, George, Lenau, Trakl
op. 45
|
1. Der Mensch (Matthias Claudius) |
|
Empfangen und genähret
Vom Weibe wunderbar,
Kommt er und sieht und höret
Und nimmt des Trugs nicht wahr;
Gelüstet und begehret,
Und bringt sein Tränlein dar;
Verachtet und verehret,
Hat Freude und Gefahr;
Glaubt, zweifelt, wähnt und lehret,
Hält nichts und alles wahr;
Erbauet und zerstöret
Und quält sich immerdar;
Schläft, wachet, wächst und zehret,
Trägt braun und graues Haar.
Und alles dieses währet,
Wenns hoch kommt, achtzig Jahr;
Dann legt er sich zu seinen Vätern nieder,
Und er kommt nimmer wieder. |
|
2. Der Säemann säet den Samen
(Matthias Claudius) |
|
Der Säemann säet den Samen.
Die Erd empfängt ihn, und über ein kleines
Wächst die Blume herauf. |
|
Du liebtest sie. Was auch dies Lebens
Sonst für Gewinn hat, war klein dir geachtet,
Und sie entschlummerte dir. |
|
Was weinest du neben dem Grabe
Und hebst die Hände zur Wolke des Todes
Und der Verwesung empor! |
|
Wie Gras auf dem Felde sind Menschen
Dahin, wie Blätter, nur wenige Tage
Gehn wir verkleidet einher. |
|
Der Adler besuchet die Erde,
Doch säumet nicht, schüttelt vom Flügel den Staub
Und kehret zur Sonne zurück. |
|
3. Hälfte des Lebens (Friedrich Hölderlin) |
|
Mit gelben Birnen hänget
Und voll mit wilden Rosen
Das Land in den See,
Ihr holden Schwäne,
Und trunken von Küssen
Tunkt ihr das Haupt
Ins heilignüchterne Wasser. |
|
Weh mir, wo nehm ich, wenn
Es Winter ist, die Blumen, und wo
Den Sonnenschein,
Und Schatten der Erde?
Die Mauern stehn,
Sprachlos und kalt, im Winde
Klirren die Fahnen. |
|
4. Juli-Schwermut (Stefan George) |
|
Blumen des sommers duftet ihr noch reich:
Ackerwinde im herben saatgeruch,
Du ziehst mich nach am dorrenden geländer
Mir ward der stolzen gärten sesam fremd. |
|
Aus dem vergessen lockst du träume: das kind
Auf keuscher scholle rastend des ährengefilds
In ernte-gluten neben nackten schnittern
Bei blanker sichel und versiegtem krug. |
|
Schläfrig schaukelten wespen im mittagslied
Und ihm träufelten auf die gerötete stirn
Durch schwachen schutz der halme-schatten
Des mohnes blätter: breite tropfen blut. |
|
Nichts was mir je war raubt die vergänglichkeit,
Schmachtend wie damals lieg ich in schmachtender flur
Aus mattem Munde murmelt es: wie bin ich
Der blumen müd á der schönen blumen müd. |
|
5. Winternacht (Nikolaus Lenau) |
|
Vor Kälte ist die Luft erstarrt,
Es kracht der Schnee von meinen Tritten,
Es dampft mein Hauch, es klirrt mein Bart;
Nur fort, nur fort, nur immerfort geschritten! |
|
Wie feierlich die Gegend schweigt!
Der Mond bescheint die alten Fichten,
Die, sehnsuchtsvoll zum Tod geneigt,
Den Zweig zurück zur Erde richten. |
Frost! Friere mir ins Herz hinein,
Tief in das heiß bewegte, wilde!
Daß einmal Ruh mag drinnen sein,
Wie hier im nächtlichen Gefilde. |
|
6. Ein Winterabend (Georg
Trakl) |
|
Wenn der Schnee ans Fenster fällt,
Lang die Abendglocke läutet,
Vielen ist der Tisch bereitet.
Und das Haus ist wohl bestellt. |
|
Mancher auf der Wanderschaft
Kommt ans Tor auf dunklen Pfaden.
Golden blüht der Baum der Gnaden
Aus der Erde kühlem Saft. |
|
Wanderer tritt still herein;
Schmerz versteinerte die Schwelle,
Da erglänzt in reiner Helle
Auf dem Tische Brot und Wein. |
Fünf Lieder aus Des Knaben Wunderhorn
op. 12
|
1. Karfreitagsklage |
|
O Ursprung aller Bronnen, wie willst du so gar versiegen?
Trost aller Herzen, wie bist du so geschwiegen?
Blume aller Schöne, wie bist du so gar verblichen?
Licht aller der Welt, wie bist du gar so dunkel worden?
Ewiges Leben, bist du gestorben? |
|
2. Inschrift |
|
Stehe still, du Wandersmann,
Und schau dir meine Wunden an.
Die Wunden stehn, die Stunden gehn,
Nimm dich in acht und hüte dich,
Was ich am jüngsten Tage über dich
Für ein Urteil sprich. |
|
3. Es fiel ein Reif |
|
Es fiel ein Reif in der Frühlingsnacht
Wohl über die schönen Blümelein,
Sie sind verwelket, verdorret. |
Ein Knabe hatt’ ein Mägdlein
lieb,
Sie liefen heimlich von Hause fort,
Es wusst’s nicht Vater noch Mutter. |
|
Sie liefen weit von Hause fort,
Sie hatten weder Glück noch Stern,
Sie sind verdorben, gestorben. |
|
4. Herzog Ulrich |
Ih schell mein Horn ins Jammertal,
Mein Freud ist mir verschwunden,
Ich hab gejagt, muß abelahn,
Das Wild läuft vor den Hunden,
Ein edel Tier in diesem Feld
Hätt ich mir auserkoren,
Das schied von mir, wie ich wohl spür,
Mein Jagen ist verloren. |
Fahr hin Gewild in Waldeslust,
Ich will dir nimmer schrecken,
Mit Jagen dein schneeweisse Brust,
Ein ander muß dich wecken,
Mit Jagdgeschrei und Hundebiß,
Dass du nicht magst entrinnen:
Halt dich in Hut, mei Tierlein gut,
Mit Leid scheid ich von hinnen. |
|
5. Das Blumenhaus |
|
In meines Buhlen Garten, da lag ich und ich schlief,
Da träumte mir ein Träumelein, als schneit es über mich,
Und als ich nun erwachte, da war es aber nichts,
Es waren die roten Rosen, die blühten über mir. |
|
Ich brach mir ab ein Zweigelein, ich band mir einen Kranz,
Ich gab ihn meiner Herzliebsten, auf dass sie mit mir tanzt.
Und wie der Tanz am besten war, da war das Geigen aus,
Wir wollten beide heimgehn, wir hatten keins kein Haus. |
|
Da baut ich mir ein Häuselein aus Petersilie
grün,
Mit gelben Lilien deckt ich mirs, mit roten Rosen schön.
Und wenn ich’s nun werd fertig han, bescher mir Gott was nein,
dass ich zu Jahr kann sprechen: die Häuschen, dies ist mein. |
Drei Oden von Klopstock
op. 13
|
1. Abschied |
Weiter hinab wallet mein Fuß,
und der Stab wird
Mir nicht allein von dem Staube, den der Weg stäubt,
Wird dem Wanderer auch von Asche
Näherer Toter bewölkt. |
|
Schön wird mein Blick dort es gewahr.
O der Aussicht
Drüben! da strahlts von dem Frühling, der uns ewig
Blüht, und duftet, und weht. O Pfad, wo
Staub nicht, und Asche bewölkt. |
Aber sondern muß ich mich,
trennen mich, muß von den Freunden
Scheiden! Du bist ein tiefer bitterer Kelch!
Ach, tränk ich dich nicht bei Tropfen!
Leert ich mit einem Zuge dich aus, |
|
Ungestüm aus! wie, wer Durst lechzt
Schnell sich erkühlt, sich erlabet an dem Labsal!
Weg vom Kelche! Gesang! |
|
Anm.: Es handelt sich um die ersten
vier Strophen der Ode
An Freund und Feind, der Titel Abschied stammt von Petersen. |
|
2. Die frühen Gräber |
Willkommen, o silberner Mond,
Schöner, stiller Gefährt’ der Nacht!
Du entfliehst? Eile nicht, bleib’, Gedankenfreund!
Sehet, er bleibt, das Gewölk wallte nur hin. |
|
Des Maies Erwachen ist nur
Schöner noch, wie die Sommernacht,
Wenn ihm Tau, hell wie Licht, aus der Locke träuft,
Und zu dem Hügel herauf rötlich er kömmt. |
|
Ihr Edleren, ach, es bewächst
Eure Male schon ernstes Moos!
O, wie war glücklich ich, als ich noch mit euch
Sahe sich röten den Tag, schimmern die Nacht! |
|
3. Der Tod |
|
O Anblick der Glanznacht, Sternheere,
Wie erhebt ihr! wie entzückst du, Anschauung
Der herrlichen Welt! Gott Schöpfer!
Wie erhaben bist du, Gott Schöpfer! |
|
Wie freut sich des Emporschauns zum Sternheer, wer empfindet,
Wie gering er, und wer Gott, welch ein Staub er, und wer Gott,
Sein Gott ist! O sei dann, Gefühl
Der Entzückung, wenn auch ich sterbe, mit mir! |
Was erschreckst du denn so, Tod, des Beladenen Schlaf?
O bewölke den Genuß himmlischer Freude nicht mehr!
Ich sink in den Staub, Gottes Saat! was schreckst
Den Unsterblichen du, täuschender Tod? |
|
Mit hinab, o mein Leib, denn zur Verwesung!
In ihr Tal sanken hinab die Gefallenen
Vom Beginn her! mit hinab, o mein Staub,
Zur Heerschar, die entschlief!
Fünf Lieder aus Des Knaben Wunderhorn |
op.
12 (frühe Fassung)
|
1. Ich hört ein Sichlein rauschen |
Ich hört ein Sichlein
rauschen,
Wohl rauschen durch das Korn,
Ich hört ein Mägdlein klagen,
Sie hätt’ ihr Lieb verlorn. |
|
Lass rauschen, Lieb, lass rauschen,
Ich acht nicht, wie es geh,
Ich tät mein Lieb vertauschen
In Veiel und grünem Klee. |
|
Hast du ein Buhlen erworben
In Veiel und grünem Klee,
So steh ich hier alleine,
Tut meinem Herzen weh. |
|
2. Mir träumt, ich flög gar bange
(J. Kerner) |
|
Mir träumt, ich flög gar bange,
Weit in die Welt hinaus,
Zu Strassburg in alle Gassen,
Bis vor Feinsliebchens Haus. |
Feinsliebchen ist betrübt,
Als ich so flieg’, und weint:
Wer dich so fliegen lehrt,
Das ist der böse Feind. |
|
Tralirumla! Tralirumla! |
|
Feinslieb, was hilft hier lügen,
Da du doch alles weisst:
Wer mich so fliegen lehrt,
Das ist der böse Geist.
Feinsliebchen weint und schreiet,
Dass ich an Schrei erwacht,
Da lieg ich, ach, zu Augsburg
Gefangen auf der Wacht. |
|
Tralirumla! Tralirumla! |
|
Und morgen muss ich hangen,
Feinslieb mich nicht mehr ruft,
Wohl morgen als ein Vogel
Schwank ich in freier Luft. |
|
3. Das Rautensträuchelein |
|
Gar hoch auf jenem Berg allein
Da steht ein Rautensträuchelein,
Gewunden aus der Erden
Mit sonderbar Gebärden. |
|
Mir träumt ein wunderlicher Traum,
Da unter diesem Rautenbaum,
Ich kann ihn nicht vergessen,
So hoch ich mich vermessen. |
|
Es wollt ein Mädchen Wasser holen,
Ein weisses Hemdlein hatt sie an,
Dadurch schien ihr die Sonnen,
Da überm kühlen Bronnen. |
|
Wär ich die Sonn, wär ich der Mond,
Ich bliebe auch, wo Liebe wohnt;
Ich wär mit leisen Tritten,
Wohl um Feinslieb geschritten. |
|
4. Es fiel ein Reif |
|
Es fiel ein Reif in der Frühlingsnacht
Wohl über die schönen Blümelein,
Sie sind verwelket, verdorret. |
|
Ein Knabe hat ein Mägdlein lieb,
Sie liefen heimlich von Hause fort,
Es wusst’s nicht Vater noch Mutter. |
|
Sie liefen weit ins fremde Land,
Sie hatten weder Glück noch Stern,
Sie sind verdorben, gestorben. |
|
5. Nachtmusikanten (Abraham a
St. Clara) |
|
Hier sind wir arme Narrn / Auf Plätzen und auf Gassen,
Und tun die ganze Nacht / Mit unsrer Musik passen. |
|
Es lässt uns keine Ruhe / Die starke Liebesmacht,
Wir stehen mit dem Bogen / Erfroren auf der Wacht. |
|
Sobald der helle Tag / Sich nur beginnt zu neigen,
Gleich stimmen wir die Laut, / Die Harfen und die Geigen. |
|
Mit diesen laufen wir / Zu mancher Schönen Haus,
Und legen unsern Kram, / Papier und Noten aus. |
Der erste gibt den Takt, / Der andre bläst die
Flöten,
Der dritte schlägt die Pauk’, / Der viert stösst die
Trompeten. |
|
Ein andrer aber spielt / Theorb und Galischan
Mit gar besonderen Fleiss, / So gut er immer kann. |
|
Wir pflegen auch so lang / An einem Eck zu hocken,
Bis wir ein schön Gespenst / Hin an das Fenster locken. |
|
Da fängt man alsbald an / Vor der Geliebten Tür
Verliebte Arien / Mit Pausen und Sospir. |
Und sollten vor der Wacht / Wir endlich weichen
müssen,
So macht man statt der Händ’, / Die Läufe mit den Füssen. |
|
Und also treiben wirs / Oft durch die lange Nacht,
Dass selbst die ganze Welt / Ob unsrer Narrheit lacht. |
|
Ach, schönste
Philis, / Hör doch unser Musizieren,
Und lass uns eine Nacht / In deinem Schoss pausieren. |
|